Vom Schau­fens­ter in den Müll­ei­mer


Was pas­siert eigent­lich mit den Kol­lek­tio­nen, die wir aktu­ell nur vom Schau­fens­ter aus betrach­ten können?

Man könnte meinen: Sie wird ver­kauft, sobald die Ein­zel­händ­ler und großen Mode­häu­ser ihre Pfor­ten wieder öffnen dürfen. Ganz so einfach ist das leider nicht. Aktu­ell gibt es eine Dis­kus­si­on, die das Kon­sum­ver­hal­ten in Bezug auf die Mode-Indus­trie lang­fris­tig ver­än­dern könnte.


Wie der Stein ins Rollen kommt

Die Mode­bran­che ist eine der dyna­mischs­ten Indus­trien unse­rer Kultur und Gesell­schaft. Hängt die Früh­jahrs-Kol­lek­ti­on bereits auf den Klei­der­stan­gen der großen Mode­ket­ten, so liegt die Herbst- und Win­ter­mo­de schon in den Lagern. Die Kon­zer­ne haben nur wenige Wochen Zeit, die aktu­el­le Klei­dung zum Ori­gi­nal­preis zu ver­kau­fen. Dann geht es schon in die heiße Phase des Schluss­ver­kau­fes. Ja, wir tragen dazu bei, denn jeder Trend­set­ter will die neuste Mode an sich tragen.

Was nicht ver­kauft wird, kann auch nicht zurück ins Lager! Wohin mit Mil­lio­nen Klei­dungs­stü­cken allein in Deutschland? Sie werden durch Dritt­händ­ler in nicht EU-Länder güns­tig wei­ter­ver­kauft oder werden geschred­dert und ver­brannt.

Rich­tig gele­sen! Pro Jahr werden eine halbe Mil­li­ar­de Klei­dungs­stü­cke ver­nich­tet.

Ein Raum im IDEENHAUS mit Protestschildern wie "LESS NEW = LESS CO2", "SUSTAINABLE FASHION MATTERZ" und "WE NEVER STOP VOTING" hebt sich von einer weißen Wand, einem Spiegel und Pflanzen ab - und fängt den kreativen Geist von Nürnberg bis München ein.

Wer trägt schon einen Anzug im Home-Office?

Das Ver­nich­ten von Klei­dung scheint nicht nur unwirt­schaft­lich, son­dern für die Umwelt­ak­ti­vis­ten von Green­peace vor allem eines – umwelt­schä­di­gend. Sie befürch­ten, dass die Beklei­dungs­in­dus­trie nach dem Lock­down noch mehr Klei­dung ver­nich­ten muss. Zum einen, weil die Händ­ler ihre Waren nicht ver­kau­fen konn­ten und eine gesam­te Früh­jahrs-Kol­lek­ti­on unver­kauft in den Läden hängen bleibt. Zudem die Kon­su­men­ten momen­tan auch weni­ger Klei­dung benö­ti­gen. Im Home-Office werden eben weni­ger Anzüge und schi­cke Blusen getra­gen. Ebenso leidet das Sor­ti­ment in der Abend­be­klei­dung. Keiner wird so schnell ins Thea­ter, in ein Kon­zert oder auf eine schi­cke Gala gehen. Ergo die Nach­fra­ge in diesem Seg­ment sinkt immer mehr.

Mit einer ein­dring­li­chen Bitte an die Minis­ter rich­tet sich Green­peace nicht nur allein an die Mode­indus­trie, son­dern auch an die Poli­tik. Der Gedan­ke um Fair Fashion, Nach­hal­tig­keit und vor allem, was mit unver­kauf­ter Ware pas­siert, ist in unse­ren Augen enorm wich­tig.

Doch auf der ande­ren Seite muss auch die Situa­ti­on der Mode-Bran­che und Ein­zel­händ­ler in diesem Bereich kri­tisch gese­hen werden, denn für sie ist nicht nur die Situa­ti­on des Lock­downs eine exis­tenz­ge­fähr­den­de Her­aus­for­de­rung, son­dern auch die zusätz­lich enor­men Kosten durch das „Ver­nich­tungs­ver­bot“.

Es bleibt sehr span­nend wie diese Dis­kus­si­on wei­ter­geht. Green­peace hat hier einen großen Stein ins Rollen gebracht, der auf beiden Seiten kri­tisch hin­ter­fragt werden muss.

Fotos von Rene Böhmer und Cherie Bir­k­ner auf Uns­plash

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Marion Endres - Inhaberin IDEENHAUS

Marion Endres

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