#metooa­gain

Brand­ak­tu­ell – #metoo
Moment, haben wir das nicht schon 2017 geklärt? Anschei­nend nicht. Wäre auch zu schön gewe­sen, wenn Gewalt gegen Frauen nicht mehr der Rede wert ist. Struk­tu­rel­le Gewalt und das Aus­nut­zen von Macht­ver­hält­nis­sen rücken ange­sichts der aktu­el­len Anschul­di­gun­gen gegen Julian Rei­chelt wieder in den Fokus.


Ver­scho­be­ne Bericht­erstat­tung

Wobei eigent­lich nicht die Miss­stän­de an sich von den Medien the­ma­ti­siert werden. Viel mehr werden die Fehl­trit­te eines Ein­zel­nen ange­pran­gert. Sexis­mus wird so als schlech­ter Cha­rak­ter­zug dar­ge­stellt, anstatt als das was es ist – ein all­ge­gen­wär­ti­ges Pro­blem. Die zahl­rei­chen Betrof­fe­nen und das Pro­blem als Ganzes spie­len in der Bericht­erstat­tung nur eine neben­säch­li­che Rolle. Die über 100.000 Frauen allein in Deutschland, die jähr­lich Opfer von Gewalt werden, sind wohl nicht rei­ße­risch genug für die Bou­le­vard­me­di­en. Eine Geschich­te mit dem Titel „Zer­stö­rung Julian Rei­chelts“ eignet sich da schon mehr, die Sen­sa­ti­ons­lust zu stil­len. Am Ende des Tages berich­ten die Medien aber auch nur das, was sich ver­kauft.
Also sind wir einmal ehr­lich, wel­chen Stories schenken Sie Ihre Auf­merk­sam­keit?


Der Ein­fluss des Ein­zel­nen

Auch in Bezug auf die Marke Bild ist es erstaun­lich, wie stark ein­zel­ne Per­so­nen prä­gend sind. Julian Rei­chelt hat 2017 die Nach­fol­ge von Kai Diek­mann ange­tre­ten. Auch dieser wurde damals von Kol­le­gIn­nen der sexu­el­len Beläs­ti­gung beschul­digt. Unter Rei­chelt wurde die Bild wieder zum Kampf­blatt – laut, aggres­siv und rei­ße­risch. Klar, große Emo­tio­nen trei­ben die Auf­la­ge in die Höhe. Aber wie viel Kra­wall ver­trägt eine Marke? Und wie steht es dann noch mit der Glaub­wür­dig­keit?

Wäh­rend die Linie des Blatts wohl bewusst gewählt ist, färben nun auch die Anschul­di­gun­gen gegen­über Rei­chelt unwei­ger­lich auf die Marke Bild ab. Die Frei­stel­lung des Ein­zel­nen wird wohl nicht rei­chen, um das wieder gerade zu biegen. Ist die Benen­nung von Alex­an­dra Würz­bach als Nach­fol­ge­rin hier ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung oder ledig­lich ein Ver­such die Gemü­ter zu beru­hi­gen?


Pro­tect your daugh­ter – Edu­ca­te your son

Wie kann Gewalt gegen Frauen ver­hin­dert werden? Statt Pro­tect your daugh­ter wird momen­tan Edu­ca­te your son geprä­digt. Die Botschaft ist klar: Erzieht eure Söhne, damit Frauen gar nicht erst beschützt werden müssen. Das ver­deut­licht einer­seits, dass Prä­ven­ti­on schon im Kin­des­al­ter beginnt. Und ande­rer­seits, dass Schutz­maß­nah­men, die Frauen ergrei­fen, nichts am Ursprung des Pro­blems ver­än­dern. Aber kann Erzie­hung allein Gewalt wirk­lich ver­hin­dern?

Meike Watz­al­wik, Pro­fes­so­rin an der SFU Berlin, betont, dass bestehen­de Geschlechts­ste­reo­ty­pen besei­tigt werden müssen. Diese ermög­li­chen es näm­lich, dass Männer vor allem auch im beruf­li­chen Umfeld Macht­po­si­tio­nen ein­neh­men und andere dadurch als schwä­cher wahr­neh­men. Leider reicht Erzie­hung nicht aus, um dieses Pro­blem aus der Welt zu schaf­fen. Aber es ist ein Anfang! Wenn Kin­dern nicht von klein auf ein­ge­bläut wird, dass Buben nicht weinen und nur Mäd­chen pink mögen, pro­fi­tie­ren alle davon. Frauen werden nicht in eine schwä­che­re Position gedrängt und Männer werden vom Erwar­tungs­druck stark sein zu müssen, befreit. Kurz gesagt, jeder kann seine Iden­ti­tät frei ent­fal­ten!

Bis dahin liegt wohl noch ein langer Weg vor uns. Unser Appell an dieser Stelle: Hin­ter­fra­gen Sie! Nicht nur gesell­schaft­li­che Normen, son­dern auch Ihr eige­nes Ver­hal­ten.

Foto von lucia auf Uns­plash

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Marion Endres - Inhaberin IDEENHAUS

Marion Endres

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