Müll­ver­schmut­zung


Zero Waste: ein langer Weg. Aber es gibt smarte Ideen. Und Du bist der Anfang!

Fast ein Drit­tel aller pro­du­zier­ten Lebens­mit­tel landen im Müll. Und dabei sind nicht die Gas­tro­no­mie oder der Handel die Haupt­ver­ur­sa­cher.

Es ist jeder Ein­zel­ne!

Stell dir einen Stapel von sieben Kästen Mine­ral­was­ser vor. Das ent­spricht unge­fähr der Menge der Lebens­mit­tel, die jeder von uns pro Jahr weg­wirft. Das sind rund 85 kg! Doch vieles davon wäre defi­ni­tiv noch genieß­bar! Die Tat­sa­che, dass in Deutschland fast 13 Mil­lio­nen Men­schen in Armut oder an der Armuts­gren­ze leben, macht diese Fakten noch unbe­greif­li­cher.

Frank­reich als Vor­bild

Frank­reich hat 2015 als erstes Land der Welt die Ver­schwen­dung von Lebens­mit­teln durch den Groß- und Ein­zel­han­del unter Strafe gestellt. Die unver­kauf­te Ware, deren Min­dest­halt­bar­keits­da­tum abge­lau­fen ist, soll an kari­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen gespen­det, als Tier­nah­rung genutzt oder zu Kom­post ver­ar­bei­tet werden.
Bei Ver­stoß drohen Geld­stra­fen. Tsche­chi­en ist dem Bei­spiel Frank­reichs gefolgt und hat ein ähn­li­ches Gesetz auf den Weg gebracht. Deutschland hin­ge­gen setzt auf Frei­wil­lig­keit.

Ein Mann im Jeans-Outfit liegt auf dem Boden, umgeben von verstreutem Müll und Müllsäcken. Am Rande ist eine Straße zu sehen, die das urbane Leben in Städten wie Nürnberg oder München widerspiegelt.

Leider ist das Gesetz in Frank­reich keine reine Erfolgs­ge­schich­te. Der Groß­han­del reagier­te mit Unver­ständ­nis auf das neue Gesetz, da er bereits der größte Spen­der von Lebens­mit­teln ist und nur für 5 % der gesam­ten, ver­schwen­de­ten Lebens­mit­tel ver­ant­wort­lich sei. Die Sta­tis­tik des Euro­pa­par­la­ments stützt diese Aus­sa­ge. Über die Hälfte der Ver­schwen­dung geht auf uns, also die pri­va­ten Haus­hal­te, zurück, gefolgt von Unter­neh­men der Lebens­mit­tel­ver­ar­bei­tung und dem Cate­ring Busi­ness.

Recy­cling hilft dem Klima

Neben der Absur­di­tät, dass wir ess­ba­re Lebens­mit­tel weg­wer­fen und gleich­zei­tig Men­schen hun­gern, kommt ein wei­te­rer Faktor dazu: Der Kli­ma­wan­del.
Der Anbau von Gemüse und Getrei­de, die Hal­tung von Kühen, das Backen von Brot und die dazu­ge­hö­ri­ge Logis­tik pro­du­zie­ren enorme Mengen CO2 und brau­chen Ener­gie. Würden die vor­han­de­nen Lebens­mit­tel besser genutzt, dann müsste nicht so viel pro­du­ziert werden und das Klima wird geschont. Neue Kon­zep­te sollen dabei helfen.

Intel­li­gen­te Apps ver­net­zen

Die App eat smarter emp­fiehlt Rezep­te zur Res­te­ver­wer­tung. Ähn­lich wie die Platt­form zugutfuerdietonne.de, die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung initi­iert wurde.

Bei too good to go bekom­men Nutzer kurz vor Küchen­schluss von den teil­neh­men­den Restau­rants ange­zeigt, ob übrig geblie­be­nes Essen abge­holt werden kann. Gegen einen klei­nen Obolus kann man eine Res­te­box mit­neh­men. Ähn­lich funk­tio­niert die foodsha­ring App. Sie hat pri­va­te Haus­hal­te im Fokus.

Wer lieber selbst kocht und für den die inne­ren Werte zählen, der kann mit „Ete­pe­te­teGemüse beim Bio-Bauern bestel­len, das nicht han­dels­norm­ge­recht ist. Hier gibt es krumme Zuc­chi­ni oder Äpfel, die nicht wie aus der Scha­blo­ne gepresst aus­se­hen, aber geschmack­lich ihren Norm­ge­rech­ten in nichts nach­ste­hen.

Zwei unförmige orangefarbene Möhren mit Dreck und Wurzeln, die nebeneinander auf einer verwitterten, dunklen Holzfläche mit grünen Flechten liegen - frisch von den Märkten in München.

Bei allen diesen neuen Kon­zep­ten und Apps sollte der Unter­stüt­zer von 1,65 Mil­lio­nen bedürf­ti­gen Men­schen in Deutschland nicht uner­wähnt blei­ben: Die Tafel. Bereits seit 1993 ist der Verein aktiv, um Lebens­mit­tel-Recy­cling und sozia­les Enga­ge­ment zu ver­ei­nen.

Trotz dieser Bemü­hun­gen gibt es immer wieder extre­me Fälle von Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung. Die Tank­stel­len­ket­te Aral mit ihren inte­grier­ten rewe to go Filia­len wirft, Berich­ten der ZEIT zufol­ge, mas­sen­wei­se Lebens­mit­tel im Wert von meh­re­ren Mil­lio­nen Euro pro Jahr weg.

Aus der Not eine Tugend machen

Ein Ber­li­ner Restau­rant macht aus der Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung ein Geschäfts­mo­dell. Im rest­los glück­lich wird nur mit Nah­rungs­mit­teln gekocht, die sonst in der Müll­ton­ne gelan­det wären. Die Karte wech­selt täg­lich, je nach Ver­sor­gungs­la­ge. Dabei kann es auch mal edel zuge­hen, wenn bei­spiels­wei­se bereits geöff­ne­te Fla­schen von einer Wein­pro­be recy­celt werden und das „Müll Menü“ adäquat beglei­ten.

Wer auf den Geschmack gekom­men ist, der kann das Zero-Waste Bier Knärz­je von Start-up Grün­der Daniel Anthes pro­bie­ren. Der Name leitet sich von der hes­si­schen Bezeich­nung für das End­stück beim Brot ab und wird aus eben diesem gebraut. Prost!

Etwas iro­ni­scher widmet sich der Rapper Alli­ga­to­ah dem Thema. Seht selbst:

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Bild­quel­le: Hermes Rivera, Jordan Bel­tran und Markus Spiske auf Uns­plash

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Marion Endres - Inhaberin IDEENHAUS

Marion Endres

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